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Sportkanton Zürich

Forum Sportkanton Zürich 2022: Weshalb das Lobbying im Sport so viel Potenzial hat

Wie gut ist eigentlich die Lobby für den Sport in der Politik? Welche Erwartungen haben politische Vertretende an den Sport? Und wie können einzelne Personen, Vereine und Verbände Einfluss nehmen? Antworten dazu gab es am 12. Forum Sportkanton Zürich, an welchem hochkarätige Gäste aus Politik und Sport über die Thematik sinnierten und diskutierten.

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Forum Sportkanton 22

Am Forum Sportkanton Zürich vom 29. November debattierten Gäste aus Politik und Sport darüber, wie wirksames Lobbyieren im Sport funktioniert.

Lobbying ist eine olympische Disziplin – zumindest bei Swiss Olympic. Christof Kaufmann füllt die seit 2017 bestehende Stelle dafür aus; er ist Leiter Public Affairs beim Dachverband. «Ich vertrete zwei Millionen Schweizerinnen und Schweizer – das macht Eindruck in der Politik», erklärte er den rund 150 Anwesenden des diesjährigen Forums Sportkanton Zürich zum Jahresthema «Lobbyieren für Sport».

Er betonte die Bedeutung des Lobbyierens – auch auf kommunaler Ebene. «Ihr seid alle Lobbyisten! Ihr könnt beispielsweise dem Gemeinderat am Rand einer Sportveranstaltung die Werte des Sports vermitteln», führte er aus und gab auch gleich praktische Tipps dazu, wie Lobbying im Alltag geht oder was es dabei zu beachten gilt.

Fokus Sportkanton Zürich

 

Lobbyieren für Sport war nicht nur Thema des diesjährigen Forum, auch der «Fokus Sportkanton Zürich» befasst sich mit der Wechselwirkung zwischen Politik und Sport. Es wird aufgezeigt, wie Lobbying im Sport funktioniert, welche Mittel und Instrumente es dazu gibt und wie der Sport seinen Wert für die Gesellschaft noch besser vermitteln kann. Die ersten beiden Beiträge sind bereits online:

 

Fokus Sportkanton Zürich ist ein gemeinsames Projekt des Sportamts des Kantons Zürich und des Zürcher Kantonalverbands für Sport (ZKS).

So ist laut Kaufmann zum Beispiel oft ein Diskussionspunkt, dass in den Statuten «politisch neutral» stünde. Dies sei durch eine Umformulierung zu «politisch unabhängig» leicht zu umgehen. «Ganz wichtig ist, dass man nicht mit Problemstellungen an die Politikerinnen und Politiker herantritt, sondern idealerweise die Lösungen gleich mitpräsentiert», war seine Botschaft. Auf das «richtige Pferd» zu setzen, sprich an umsetzungsstarke Parlamentarier oder Parlamentarierinnen heranzutreten, war eine andere. «Der ZKS kennt diese Botschaft für den Kanton Zürich», sagte er. Überhaupt lobte er die «sehr gute Konstellation» in Zürich mit dem kantonalen Sportamt und dem ZKS, die jeweils einmal im Jahr gemeinsam das Forum Sportkanton Zürich organisieren und durchführen sowie das Thema laufend mit neuen Aspekten bewirtschaften.

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Forum Sportkanton 22

Für ihn ist Lobbying quasi eine olympische Disziplin: Christof Kaufmann, Leiter Public Affairs bei Swiss Olympic.

Ran Grünenfelder, Co-Geschäftsführer des Sozialforschungsunternehmens Grünenfelder Zumbach, lieferte derweil Zahlen aus der Forschung zu Sportlobbying. Er zeigte auf, dass gerade einmal 1 bis 2 Prozent aller politischen Vorstösse auf nationaler Ebene (National- und Ständerat) sportpolitischer Natur sind. Dies führte den aktiven Judo-Trainer zum Schluss, dass «sportpolitische Themen existieren, sie aber kein Schwerpunkt sind, sondern ein eher kleines heterogenes Politikfeld besetzen». Das müsse aber nicht negativ sein. «Vieles läuft im Hintergrund; der direkte Kontakt mit den Verwaltungen ist oft wichtiger, um politische Entscheide zugunsten eines Themas zu beeinflussen», erklärte Grünenfelder. Er selbst war 2012 und 2016 als Trainer bei den Olympischen Spielen im Einsatz und dabei auch einmal Zimmergenosse von Christof Kaufmann.

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Einen Einblick in erfolgreiche Lobbying-Arbeit gab Peter Zahner, CEO der ZSC Lions, im Rahmen einer zweiteiligen Podiumsdiskussion. Um das Stadionprojekt des ZSC in Altstetten im Parlament und an der Urne durchzubringen, führte er Einzelgespräche mit über 80 Politikerinnen und Politikern. «Ich habe zuerst geprüft, wer sportaffin ist und wer eher gegen das Projekt ist. Ich habe dann primär mit letzteren das Gespräch gesucht, damit sie nicht aktiv in die Opposition gehen.» Zusätzlich betonte er, dass er nicht mit Forderungen an die Politikerinnen und Politiker herangetreten sei, sondern zuerst aufgezeigt habe, was das Vorhaben bringt. So sei es wichtig gewesen, dass man den Fokus auf den Nutzen für den Nachwuchs, den Frauensport und den Breitensport gelegt habe. «Den Grünen leuchtete beispielsweise ein, dass es sinnvoller ist, wenn unsere Frauen hier trainieren können, statt wie bis anhin zweimal pro Woche für ihre Trainings nach Romanshorn an den Bodensee fahren zu müssen.»

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Forum Sportkanton 22

Sie vereinten am Forum die Ansichten aus Sport und Politik (von links): Stefan Schötzau, Christof Kaufmann, Yvonne Bürgin, Daniel Frei, Andrea Gisler, Peter Zahner, Ran Grünenfelder und Josy Beer.

Ein anderes Beispiel brachte Daniel Frei, Präsident des Dachverband Winterthurer Sport, in die Diskussion ein. «Weil Sportvereine oft Probleme haben, Sportanlagen im Besitz von kantonalen Schulen ausserhalb der Unterrichtszeiten und während sieben Tagen in der Woche zu nutzen, haben wir uns vom DWS mit dem politischen Prozess auseinandergesetzt und versucht, bereits die Lösung mit auf den Weg zu geben.» Das Postulat «Benützung von Räumlichkeiten, Anlagen und Einrichtung kantonaler Schulen für Trainingseinheiten von U20 Vereinsgruppen» wurde schliesslich am 31. Oktober 2022 vom Winterthurer EVP-Kantonsrat Michael Bänninger eingereicht.

Zu den Mit-Unterzeichnerinnen des Postulats gehörte auch Yvonne Bürgin, die der Parlamentarischen Gruppe Sport (PGS) im Kantonsrat vorsteht. Sie stellte fest, dass Sport generell politischer und die Haltung dem gegenüber wegen gewisser Auswüchse im Spitzensport kritischer geworden ist. Seitens des Sports müsse man darauf achten, den Fuss rechtzeitig in der Türe zu haben, und auf mögliche Einflüsse auf den Sport bei scheinbar nicht relevanten Themen aufzupassen. Als Beispiel führte sie das Waldgesetz an.

«Man muss spüren, auf welche Weise man wen ansprechen kann, um sich Gehör zu verschaffen»

Andrea Gisler, GLP-Kantonsrätin und Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Sport (PGS)

Andrea Gisler, GLP-Kantonsrätin und Mitglied in der PGS, betonte derweil, wie hilfreich es ist, gut vernetzt zu sein und die Leute in den Räten zu kennen. Beide Politikerinnen verorteten drei Ebenen der Interventionsmöglichkeit auf kantonaler Ebene: Eine erste Chance bietet sich, wenn ein Geschäft in die Kommissionen kommt. Hierzu braucht es eine gute Vernetzung, um entsprechend vorgewarnt zu werden. In der Vernehmlassungsphase gelte es, die Geschäfte sportpolitisch zu prüfen. Und quasi die Notbremse sei es, den 180 Kantonsräten eine E-Mail zu schreiben, wenn das Geschäft im Kantonsrat zur Abstimmung kommt. Jedoch sei von dieser Methode eher abzusehen, weil sie wenig zielführend ist. «Man muss spüren, auf welche Weise man wen ansprechen kann, um sich Gehör zu verschaffen», erklärte Gisler.

Einfacher ist die Zusammenarbeit auf Gemeindeebene – insbesondere bei Gemeindeversammlungen, wie ZKS-Präsident Urs Hutter unterstrich: «Ich erinnere mich, dass wir die Gemeindeversammlung geflutet haben, um unser Anliegen eines neuen Pfadihauses durchzubringen.» Ein effizientes Instrument sei heutzutage der Zusammenschluss in einer Interessengruppe (IG). «Sich zu vernetzen und entsprechende Strukturen zu schaffen, um der Gemeinde als Ansprechpartner zu dienen, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor», erklärte Hutter. Deshalb fördere und unterstütze der ZKS IG-Gründungen aktiv.

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Forum Sportkanton 2022

Laut Regierungsrat Mario Fehr soll man seine Anliegen möglichst früh platzieren.

Josy Beer, ZKS-Geschäftsführerin, und Stefan Schötzau, Chef des kantonalen Sportamts, legten die beste Voraussetzung für erfolgreiche sportpolitische Arbeit auf kommunaler Ebene einfach dar: «Im Idealfall gibt es in der Gemeinde eine IG Sport und einen von der Gemeinde angestellten Sportkoordinator.» Das Erfolgsrezept für Regierungsrat Mario Fehr ist denn auch die Zusammenarbeit. «Die Anliegen möglichst früh und weit oben platzieren», rät der kantonale Sportminister. Damit das Sportlerleben im Kanton Zürich so gut bleibt, wie es ist, brauche es alle, betonten Beer und Schötzau: «Wir sind alle Lobbyisten!»
 

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