Direkt zum Inhalt

Willkommen beim ZKS, für unterstützung bitte unter 044 802 33 77 melden.

Vereinsentwicklung

Anpassungsfähigkeit als Erfolgsrezept seit über 175 Jahren

Schützenvereine sind mit die ältesten Vereine im Kanton Zürich. Sie liefern den Beweis, dass ihre Organisationsform traditionsreich und gleichwohl sehr aktuell ist.

Ein gutes Beispiel ist die Schützengesellschaft Uster (SGU), die am 30. November 1835 als Verein mit 18 Mitgliedern gegründet wurde und heute mit über 300 Mitgliedern immer noch erfolgreich ist. In der Chronik, die zum 175-Jahr-Jubiläum erschienen ist, werden politische Motive als Gründungsgrund vermutet. Die Schützengesellschaft entwickelte sich zum Sportverein, der Kameradschaft, Spitzensport und Nachwuchsförderung im Fokus hat. Letzteres nicht nur im sportlichen Sinn. Paul Gantenbein, seit über 50 Jahren im Verein: «Wir binden den Nachwuchs ein und ziehen ihn frühzeitig für weitere Aufgaben nach.» So wurde einem Schützen als 16-Jährigem die Schiessleitung am Jubiläumsschiessen übertragen – er koordinierte über 50 Leute. Nach Abschluss der Lehre übernahm ein anderer Jungschütze das Amt des Finanzchefs am Ustertag-Schiessen.

Die SGU setzt bewusst auf einen grossen Vorstand, so Gantenbein. Zum einen werden die Aufgaben so auf möglichst viele Schultern verteilt. «Zum anderen ist die Belastung für einen Jungen sehr gross, wenn der Präsident 25 Jahre im Amt ist und es dann zu einem Wechsel kommt.» Zur guten Vereinsführung gehört für Gantenbein auch eine nahtlos geführte Chronik. «Wenn ein Verein schlecht geführt ist, wird auch nichts aufgeschrieben», hält er fest. Ebenso zentral ist für ihn ein aktiver Präsident. 

Vor allem aber wird der Nachwuchs aktiv betreut. «Eine systematische Ausbildung ist uns sehr wichtig», führt Vreni Hollenstein, Jungschützenleiterin Gewehr, aus. Die Arbeit wird von den Jungschützinnen und Jungschützen honoriert, wie die 18-jährige Lisa Suremann ausführt: «Die SG Uster macht sehr viel für den Nachwuchs und unterstützt uns zum Beispiel mit der Ausrüstung.» 

«Die Belastung ist für einen Jungen sehr gross, wenn der Präsident 25 Jahre im Amt ist und es dann zu einem Wechsel kommt.»

Paul Gantenbein, langjähriges Mitglied der SG Uster

Lisa Suremann schätzt aber nicht nur die gute Betreuung und die sportlichen Perspektiven: «Die Schützengesellschaft Uster geht stets mit der Zeit. Das spricht die Jungen an und ist attraktiv.» Die SGU investierte in die Modernisierung der Infrastruktur. Auf Paul Gantenbeins Initiative wurden die elektronischen 10-m-Trefferanzeigen installiert.
 
Überhaupt hat der Schiesssport von heute nicht mehr viel mit jenem der Gründungsjahre der SGU gemein. Damals wurde in Ermangelung eines Schiessplatzes in den Gaststuben «Sternen», «Kreutz» und «Burg» geschossen. Die Distanz wurde jeweils dem verfügbaren Raum angepasst. Später war das militärische Schiessen die Grundlage des Vereins. Mit dem Wegfall der Vereinspflicht für Schützen des Obligatorischen und mit der Armeereform XXI hat sich die Ausrichtung abermals geändert. In ihrer Chronik bezeichnet sich die SGU als «Freizeitunternehmen für Schützen aller Distanzen». 

Die Anpassungsfähigkeit der SGU zeigt sich auch an der Geschichte des Schützenhauses. Schon früh war die SGU gezwungen, betreffend Vereinslokalität auf eigenen Beinen zu stehen. So heisst es in der Chronik: «Endlich wies die Zivilvorsteherschaft 1867 den Platz am alten Freudwilerweg zum Schiessen an, mit der Erlaubnis, auf eigene Kosten Schützenhaus und Zeigerwehr zu bauen.» Knapp 100 Jahre später zwang ein Nein an der Gemeindeversammlung zu einem Kredit die SGU erneut zu einem mutigen Schritt: dem Bau einer völlig vereinseigenen Sportanlage mit 300-m-, 50-m-, 25-m- und 10-m-Stand sowie einer gemütlichen Schützenstube. 

Lisa Suremann, Vreni Hollenstein und Paul Gantenbein sitzen in der Schützenstube und diskutieren die Veränderungen in ihrem Sport. «Die Technik erlaubt präziseres Schiessen und dank der Elektronik kann dies gemessen werden», erzählt Lisa Suremann. «Das führt zu neuen Wettkampfformen, die wiederum Anpassungen im Training zur Folge haben.» Der Schiesssport ist im Wandel – wie auch seine Vereine. Gleich bleibt die Faszination des Sports, wie Paul Gantenbein sagt: «Die Sucht nach Perfektion.»

 

Quelle des Basisbeitrages: Dossier «Herausforderung Sportverein», Mai 2018
Herausgeber: Zürcher Kantonalverband für Sport und Sportamt Kanton Zürich

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern.

Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Weitere Informationen.