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Podcast Folge 22: Ehrenamt als Karrierebooster
Vereinsarbeit ist weit mehr als ein sinnvolles Hobby. Wer sich im Sportverein engagiert, übernimmt Verantwortung, führt Menschen, organisiert Anlässe, löst Konflikte und arbeitet im Team. Das sind genau jene Kompetenzen, die auch im Berufsleben gefragt sind. Viele dieser Fähigkeiten lassen sich im Ehrenamt praxisnah entwickeln.
Viele Führungskräfte erinnern sich daran, dass sie ihre ersten Führungsaufgaben nicht im Unternehmen, sondern im Verein übernommen haben. Dort lernt man früh, Verantwortung zu tragen, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam mit anderen Lösungen zu finden.
Gerade Sportvereine bieten dafür ein ideales Lernfeld. Anders als im Berufsleben dürfen Fehler gemacht werden – wichtig ist, daraus zu lernen. Wer ein Training plant, einen Wettkampf organisiert oder in einem Vorstand tätig ist, entwickelt Fähigkeiten, die sich direkt auf den Berufsalltag übertragen lassen. Deshalb kann freiwilliges Engagement auch als «kostenlose Managementausbildung» bezeichnet werden.
Unser Experte im Podcast
Gioi Graves ist Leiter Human Resources & Mitglied der Geschäftsleitung der Stiftung RaJoVita in Rapperswil-Jona. Als HR-Experte, Dozent und Prüfungsexperte kennt er die Anforderungen moderner Personalarbeit. Gleichzeitig engagiert er sich seit über 30 Jahren ehrenamtlich im Kunstturnen – unter anderem als Hauptleiter, Ausbildungsverantwortlicher und heute als J+S-Kursleiter. Dank seiner langjährigen Erfahrung kennt er den Wert des Ehrenamts sowohl aus Sicht der Personalverantwortlichen als auch aus der Vereinspraxis im STV Wetzikon.
Warum Arbeitgeber genauer hinschauen (sollten)
Fachwissen bleibt wichtig. Gleichzeitig gewinnen überfachliche Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Welche Fähigkeiten in der Arbeitswelt besonders gefragt sind, zeigt der Future of Jobs Report 2025 des World Economic Forums (S. 35). Arbeitgeberinnen nennen neben analytischem Denken insbesondere Resilienz, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sowie Führung und soziale Einflussnahme als zentrale Kompetenzen. Auch kreatives Denken, Motivation und Selbstreflexion gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten der heutigen Arbeitswelt.
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Viele dieser Kompetenzen entstehen nicht nur durch Ausbildung und Berufserfahrung, sondern vor allem durch praktische Anwendung. Auch das Ehrenamt bietet dafür ein wertvolles Lernfeld: Wer im Verein Verantwortung übernimmt, Teams begleitet, Projekte organisiert oder Konflikte löst, entwickelt genau jene Fähigkeiten, die Unternehmen suchen. Und besonders bei vergleichbaren fachlichen Qualifikationen kann ehrenamtliches Engagement den entscheidenden Unterschied machen.
Mehr als ein Hobby im Lebenslauf
Viele Ehrenamtliche unterschätzen den Wert ihres Engagements und führen es lediglich unter «Hobbys» auf. Dabei verdient Vereinsarbeit einen eigenen Platz im Lebenslauf. Entscheidend ist dabei nicht die Dauer des Engagements, sondern welche Verantwortung übernommen wurde, welcher Mehrwert entstanden ist und welche Erfahrungen man daraus für die Zukunft mitnimmt.
Im Bewerbungsgespräch zählen deshalb konkrete Beispiele. Wer aufzeigt, welche Herausforderungen gemeistert, welche Projekte umgesetzt oder welche Erfahrungen gesammelt wurden, macht den Wert des Ehrenamts für die Arbeitgeberinnen sichtbar. Gerade in einer Zeit, in der Bewerbungsunterlagen zunehmend standardisiert mittels Künstlicher Intelligenz erstellt werden können, gewinnen persönliche Erlebnisse und authentische Beispiele aus der Praxis an Bedeutung.
Moderatorin Regula Späni im Gespräch mit Gioi Graves über die Bedeutung des Ehrenamts als Karrierebooster. Foto: ZKS
Als Verein erlernbare Fähigkeiten benennen und sichtbar machen
Auch die Vereinsleitung kann dazu beitragen, den beruflichen und persönlichen Wert des Ehrenamts sichtbarer zu machen. Eine Funktionsbeschreibung sollte nicht nur Aufgaben, Anforderungen und Aufwand auflisten. Sie kann auch zeigen, welche persönlichen und beruflich relevanten Kompetenzen durch die Übernahme einer Funktion entwickelt werden können. Als Beispiel haben wir eine Vorlage für eine Funktionsbeschreibung von Swiss Olympic als Grundlage genommen und um den Abschnitt «Dein Gewinn: Entwickelbare Fähigkeiten» ergänzt.
Unser Tipp für Vorstandsmitglieder: Ergänzt diesen Aspekt auch in euren Funktionsbeschreibungen. Dies macht nicht nur sichtbar, was eine Funktion verlangt, sondern auch, was engagierte Personen dabei lernen und für ihren persönlichen und beruflichen Weg mitnehmen können.
Netzwerke entstehen oft im Verein
Was auch nicht unterschätzt werden darf, ist der Fakt, dass viele berufliche Chancen nicht über Stelleninserate, sondern über persönliche Kontakte entstehen. Vereine bringen Menschen aus unterschiedlichsten Berufen und Branchen zusammen. Daraus entstehen Netzwerke, die später wertvolle Türen öffnen können – sei es durch Empfehlungen, neue Kontakte oder Hinweise auf offene Stellen.
Fazit
Ehrenamt stärkt nicht nur Vereine und die Gesellschaft, sondern auch die persönliche und berufliche Entwicklung. Wer Verantwortung übernimmt, sammelt Erfahrungen, die sich kaum in einem Lehrbuch lernen lassen: Menschen führen, Projekte umsetzen, Konflikte lösen und gemeinsam Ziele erreichen. Gerade in einer Arbeitswelt, in der Persönlichkeit und Zusammenarbeit immer wichtiger werden, kann ehrenamtliches Engagement zu einem echten Karrierebooster werden.
Unsere drei Tipps für die Bewerbung:
- Ehrenamt im Lebenslauf separat sichtbar machen
- Konkrete Beispiele aus dem Vereinsalltag im Gespräch nennen
- Den Bezug zwischen Vereinsarbeit und der Stelle herstellen
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