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Podcast Folge 20: Mental Load im Vereinsalltag

Viele Breitensportvereine leben von vereinzelten, besonders engagierten Menschen. Doch genau dieses grosse Engagement bringt häufig eine unsichtbare Belastung mit sich: den sogenannten «Mental Load». Wir erklären, wie er entsteht, woran man ihn erkennt und wie Verantwortung besser verteilt werden kann.

Mit dem Begriff «Mental Load» ist nicht nur die Arbeit wie Trainingsorganisation, Sitzungsplanung oder Veranstaltungen gemeint. Vor allem umfasst er die mentale Denkarbeit im Hintergrund: Unzählige kleine Dinge im Kopf behalten, koordinieren, erinnern, vorausdenken, planen, kontrollieren und ständig den Überblick behalten.

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Im Vereinsalltag übernehmen oft einzelne Personen viele dieser Aufgaben: Die zahlreichen kleinen Tätigkeiten, die selten dokumentiert sind. Was als Leidenschaft beginnt, kann so nach und nach zur Überlastung werden. Typische Anzeichen sind:

  • Gedanken kreisen ständig um offene Aufgaben
  • Man geht mit einer inneren Checkliste ins Bett
  • Nachts fällt einem noch etwas ein, das erledigt werden muss
  • Beim Aufwachen denkt man sofort wieder an To-dos
  • Viele kleine Aufgaben sammeln sich im Kopf an und werden mit der Zeit zu einem grossen Berg.
     

Mental Load entsteht häufig dort, wo Menschen:

  • viel Verantwortung tragen.
  • viele kleine Aufgaben koordinieren.
  • sich stark mit ihrer Rolle identifizieren.

Unsere Expertin im Podcast

 

Stefanie Neuhauser ist Expertin für mentale Gesundheit und Selbstmanagement. Sie absolviert derzeit einen Master in Mental Health am King’s College London und ist ausgebildete Neuropsychologin. Als Gründerin der Firma BrainDate AG bietet sie praxisnahe Workshops und Seminare für Unternehmen zu den Themen Selbstmanagement und Kommunikation an und arbeitet zudem als Dozentin für Lern- und Arbeitstechnik – stets basierend auf neuropsychologischen Erkenntnissen.

«Mental Load» im Vereinsalltag

Im Ehrenamt ist Mental Load besonders verbreitet. Die Gründe sind vielfältig:

  • Unklare Rollen und unsichtbare Zusatzaufgaben: In vielen Vereinen sind Aufgaben nur teilweise definiert. Vieles entsteht spontan oder wird «einfach schnell erledigt». Einige Tätigkeiten tauchen weder im Funktionsbeschrieb noch auf einer Liste auf, sie werden einfach gemacht.
  • Zu wenige Personen für zu viele Aufgaben: Oft engagieren sich immer dieselben Personen und übernehmen zusätzliche Aufgaben, weil es sonst niemand tut.
  • Hohe persönliche Identifikation: Wer sich stark mit dem Verein identifiziert, möchte, dass alles gut funktioniert und übernimmt daher lieber selbst Verantwortung.
Stefanie Neuhauser und Moderatorin Regula Späni bei der Podcast-Aufnahme.

Moderatorin Regula Späni spricht mit Stefanie Neuhauser über Mental Load. Foto: ZKS

Warum fällt das Abgeben so schwer?

Viele Menschen tun sich schwer damit, Aufgaben abzugeben oder Nein zu sagen. Dahinter stecken oft unterschiedliche Persönlichkeitsmuster. Es hilft, sich dieser bewusst zu werden und zu analysieren, welcher Typ am ehesten auf einen selbst zutrifft. So lässt sich ein passender Ansatz finden, um damit umzugehen.

 

Stil Merkmale Lernfeld

 

Der selbstlose Stil

 

Definiert sich stark über die 
Hilfe für andere, übernimmt schnell Verantwortung, fällt schwer, Nein zu sagen

 

Den eigenen Wert nicht nur über Hilfe für andere definieren. Verantwortung bewusst abgeben, nicht nur Aufgaben delegieren. Reflektieren: Welche Aufgaben will ich wirklich übernehmen?

 

Der helfende Stil

 

Unterstützt andere gerne, damit sie Aufgaben lernen oder besser werden

 

Andere selbst Erfahrungen machen lassen inklusive Verantwortung. Aufgaben nicht nur begleiten, sondern offiziell übertragen. So wird der Kopf entlastet, Gedanken kreisen nicht mehr bei der ursprünglichen Person.

 

Der beweisende Stil

 

Leistung steht im Mittelpunkt, möchte alles schaffen, gibt ungern zu, dass es zu viel wird

 

Grenzen anerkennen und realistisch planen. Aufgaben vollständig delegieren, nicht nur teilweise. Leistung sollte nicht über Selbstüberforderung definiert werden.

 

Der kontrollierende Stil

 

Klare Vorstellung, wie etwas funktionieren soll, Delegieren fällt schwer

 

Akzeptieren, dass Wege und Ergebnisse anders sein dürfen. Aufgaben inklusive Verantwortung abgeben. Safe-to-fail-Erfahrungen ermöglichen, damit andere Mitglieder eigene Lösungswege ausprobieren können. Fehler erlauben

«Mental Load» konstruktiv ansprechen

Überlastung anzusprechen, kann schwierig sein. Wichtig ist eine Kommunikation ohne Vorwürfe. Hilfreich ist der Fokus auf Beobachtungen statt Bewertungen. Beispiel:

  • «Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit sehr viele Aufgaben übernimmst. Wie geht es dir damit?»
  • «Ich habe den Eindruck, dass unsere Rollen im Vorstand etwas unklar sind. Wollen wir dies einmal gemeinsam anschauen?»

 

Das Ziel sollte sein, gemeinsam zu verstehen, wie die aktuelle Situation entstanden ist, einen Lösungsprozess anzustossen und neue Rollen oder Aufgabenverteilungen zu besprechen. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass alle Beteiligten einen Anteil an der Situation haben. «Mental Load» entsteht aus einer Dynamik: Jede Person ist involviert und kann reflektieren, welchen Beitrag sie dazu leistet.

Praktische Übung: Post-it-Methode

  1. Notizblock oder Post-its nehmen
  2. Jede kleine Aufgabe auf ein Blatt schreiben – auch Dinge, die nirgends offiziell stehen
  3. Alles sichtbar machen: von Trainingsorganisation bis zu E-Mails, Telefonaten oder Materialbeschaffung

     

Reflexionsfragen

  • Ist es stimmig, dass alle diese Aufgaben bei mir liegen?
  • Welche Aufgaben habe ich bewusst übernommen – und welche sind einfach zu mir gerutscht?
  • Wo möchte ich meine Zeit und Energie investieren?

Die Effizienzfalle: «Ich mache es schnell selbst»

Ein typischer Gedanke im Ehrenamt lautet: «Es geht schneller und mit weniger Aufwand, wenn ich es selbst mache.» Kurzfristig stimmt das oft. Langfristig führt diese Haltung jedoch dazu, dass:

  • Wissen bei einzelnen Personen bleibt.
  • Aufgaben nicht verteilt werden.
  • die Belastung immer weiter steigt.

 

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Delegieren braucht anfangs mehr Zeit, ist aber eine Investition in die Zukunft des Vereins. Wichtig dabei ist: Nicht nur die Aufgaben abgeben, sondern auch die gesamte Verantwortung dafür übertragen. Wenn jemand zwar eine Aufgabe abgibt, die Verantwortung aber weiterhin bei der gleichen Person bleibt, bleibt auch der Mental Load bestehen.

Fazit 

Mental Load ist im Vereinsalltag weit verbreitet – vor allem dort, wo Engagement und Verantwortung stark bei einzelnen Personen liegen. Der Schlüssel zu nachhaltigem Ehrenamt liegt darin:

  • Aufgaben sichtbar zu machen
  • Verantwortung zu teilen
  • Rollen klar zu definieren
  • offen über Belastung zu sprechen

 

Ein Verein funktioniert am besten wie ein Teamsport: Nicht eine Person, die 100 Prozent trägt, sondern viele Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Unterstützung beim Aufbau klarer Strukturen bietet auch unser kostenloses Coaching-Angebot «Vereinscoach+». Es richtet sich an Vorstandsmitglieder von Sportvereinen und hilft dabei, Themen der Vereinsführung, Organisation und Professionalisierung anzugehen. Ergänzend dazu bietet der ZKS auch verschiedene Weiterbildungskurse an, zum Beispiel zu Zeitmanagement oder Präsidium/Vorstandsführung, die ebenfalls helfen können, Aufgaben besser zu organisieren und Verantwortung im Verein sinnvoll zu verteilen.

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