Ehrenamt
ZKS-Geschäftsbericht 2025: Das Sportkegeln kämpft ums Überleben
Das Sportkegeln im Kanton Zürich wird 100 Jahre alt. Grund zu feiern hat der Verband aber nicht. Der Mitgliederschwund schreitet voran, die Sportart scheint nur noch ein faszinierendes Relikt aus besseren Zeiten zu sein. Und doch wird geschätzt, was man noch hat.
Traditionell, aber aus der Zeit? Dem Sportkegeln gehen die Mitglieder aus. Fotos: Kurt Schorrer /ZKS
Es riecht nach altem Holz, der Boden knarzt leicht. Die Vorhänge stammen wohl noch aus den Sechzigern, als die Anlage eröffnet wurde. Kurzum: Die Kegelbahn im Restaurant Höfli in Otelfingen trieft vor Nostalgie – und erinnert ans Sportkegeln der guten alten Zeit.
Ruedi Bleiker sitzt im hinteren Bereich der Anlage, nimmt die Resultate der Keglerinnen und Kegler auf. Gerade laufen die Höfli-Einzelmeisterschaften, verteilt auf sieben Tage. Insgesamt 115 Teilnehmende zählt der Wettkampf. Früher, vor zehn Jahren, waren es doppelt so viele. Dahinter steckt ein Muster, erklärt Bleiker: «So ist es eigentlich an allen Kegel-Meisterschaften.»
Das Interesse am Sportkegeln ist stark rückgängig. Dabei hat der Zürcher Verband Grund zum Feiern: 2026 wird das Sportkegeln im Kanton Zürich 100 Jahre alt – quasi ein Dinosaurier des Vereinssports. Doch dieser Dino droht auszusterben.
Von kantonsweit 1400 auf schweizweit 700
Ein Jahrhundert ist es her, als am 28. Februar 1926 die Zürcher Kegler-Vereinigung, heute Kantonalzürcherischer Sportkegler-Verband (KZSKV), ins Leben gerufen wurde. Der KZSKV war der erste Sportkegler-Verband der Schweiz, der nationale Verband (SSKV) wurde erst fünf Jahre später gegründet. Es war der Beginn eines regelrechten Booms. Bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts wuchs die Mitgliederzahl sukzessive an. An Freitagabenden wurde zum Kegeln verabredet, gespielt, getrunken und gelacht. Durch Familien, Bekannte und Freunde kam jede und jeder irgendwann und irgendwo mit dem Sport in Berührung.
Mit Herz und Seele dabei: Ruedi Bleikers Passion ist seit über 50 Jahren das Sportkegeln.
Auch Ruedi Bleiker fand so den Weg zu seiner Passion. Davor im Veloclub aktiv, entdeckte er mit 26 das Sportkegeln – und war sogleich begeistert. An über 200 Wettkämpfen im Jahr nahm er teil, fuhr Tausende Kilometer quer durch die Schweiz. «Es war eine Zeit, die ich sehr genoss. Man kannte und schätzte sich überall, wir waren eine grosse Gemeinschaft.»
Heute nimmt Bleiker, mittlerweile 61 Jahre alt, jährlich noch an 80 Wettkämpfen teil. Nicht, weil ihm die Energie oder Passion dazu fehlt, sondern weil es nur noch so viele Wettkämpfe gibt. Der Mitgliederschwund, begonnen um die Jahrtausendwende, hat die Sportkegel-Landschaft ausgedünnt. Zählte das Sportkegeln 1963 im Kanton Zürich 1400 Mitglieder, sind es heute schweizweit noch 700. Und es werden jährlich weniger.
Alternativen statt Traditionen
Die Gretchenfrage ist gegeben: Wieso stirbt das Sportkegeln aus? Bleiker sieht die Antwort im heutigen Zeitgeist: «Traf sich früher das ganze Dorf zum Kegelabend, ist man heute in anderen Kreisen unterwegs. Ein Dorfleben wie vor 50 Jahren gibt es nicht mehr.» Das hat auch Folgen für die Infrastruktur. Fand man früher in fast jedem Zürcher Bezirk mehrere Lokale mit Kegelbahnen, sind viele mittlerweile geschlossen oder verschwunden.
«Mittlerweile sind viele neue Sportarten spannender als ein traditioneller Sport wie Kegeln.»
Ruedi Bleiker, ehemaliger Präsident des KZSKV
Auch das Sportkegeln per se sei als Breitensport nicht mehr attraktiv, fügt Bleiker an. «Wer früher Mitte 30 aufhörte, in einer Mannschaftssportart zu spielen, wechselte meist zum Sportkegeln.» Heute gibt es Veteranen- und Seniorenteams, man geht ins Pilates oder aufs E-Bike – Alternativen gibt es genug. Das gilt auch für die Jungen: «Mittlerweile sind viele neue Sportarten spannender als ein traditioneller Sport wie Kegeln.»
Hätte man rückblickend etwas anders machen müssen? Reagieren sollen, als es dem Sportkegeln noch gut ging? «Vielleicht», sagt Bleiker. «Jetzt sehen wir das Problem, aber finden schlichtweg keine Lösungen mehr. Wir haben keine Perspektiven.» Was am Ende bleibt, ist die Freude am Sportkegeln.»
An den Höfli-Einzelmeisterschaften spürt man weiterhin die Freude fürs Kegeln.
Und die ist an den Höfli-Meisterschaften weiterhin ersichtlich. Teilnehmende kommen in Teambekleidung, markieren ihre Abwurfstelle mit Klebern, sind fokussiert. Die Passion ist noch da. Und das spürt auch der Verband. «Wir geniessen, was wir noch haben», sagt Bleiker. Man werde entsprechend das Jubiläum bei der nächsten Generalversammlung feiern und auch mit Begeisterung weiterspielen. «100 ist eine beeindruckende Zahl. Wir können stolz auf dieses Alter sein.»