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ZKS-Geschäftsbericht 2025: Wie der Tennisverband die Förderung von Mädchen vorantreibt
2025 hat der Regionalverband Zürich Tennis das Projekt «Advantage Girls» lanciert, das auch vom ZKS unterstützt wird. Wie lassen sich Mädchen für den Sport begeistern, und welche Rolle spielen die Clubs? Der Nachwuchsverantwortliche Dominik Strub-Tiedt gibt Auskunft.
Der kantonale Tennisverband will vermehrt auch Mädchen an die traditionelle Sportart heranführen. Foto: zVg.
Dominik Strub-Tiedt, wie geht es dem Tennis im Kanton Zürich?
Sehr gut. Es gibt genügend Clubs mit optimalen Strukturen und mit rund 6000 Nachwuchsspielerinnen und -spielern eine breite Basis. Einziger Makel ist das Verhältnis zwischen Buben und Mädchen.
Wie ist dieses Verhältnis?
65 Prozent Buben, 35 Prozent Mädchen.
Wieso ist das so?
Diese Frage ist sehr schwierig zu beantworten, da es einige Faktoren gibt. Wir beobachten, dass viele Mädchen in Bubengruppen trainieren müssen. Dadurch entsteht eine andere Dynamik als in einer reinen Mädchengruppe. Viele Mädchen steigen dann spätestens im Teenageralter aus oder wechseln zu einer Sportart, in der es viele Mädchen gibt, beispielsweise zum Turnen.
Fühlen sich die Mädchen in solchen Bubengruppen denn benachteiligt?
Das nicht. Aber unsere Wahrnehmung ist, dass Mädchen andere Präferenzen haben. Viele Mädchen wollen im Training primär Bälle ohne Sieg oder Niederlage spielen, während viele Buben sofort Punkte spielen möchten. Durch diese Diskrepanz ist es schwierig, das Training ausgeglichen zu gestalten. Hinzu kommt, dass wir zu wenig Trainerinnen haben. Einen Austausch unter rein weiblichen Coaches und Spielerinnen würden wir sehr gerne begrüssen. Unter anderem hier möchten wir mit dem Projekt «Advantage Girls» den Hebel ansetzen.
Dominik Strub-Tiedt beschäftigte sich in den letzten Jahren mit der Nachwuchsförderung.
Was genau steckt hinter dem Projekt?
Seit Längerem sind wir daran, das Mädchentennis zu fördern. Vor gut drei Jahren haben wir in einem Workshop beim ZKS die Grundsatzfragen geklärt und daraufhin das bisherige Konzept überarbeitet. Im Vordergrund des Projekts «Advantage Girls» stehen nun verschiedene Schritte und Massnahmen zur Sensibilisierung und Emotionalisierung des Mädchentennis. Wir möchten kommunikativ nach aussen tragen, warum Tennis der schönste Sport ist und sich Mädchen dafür begeistern. Wir wollen den Mädchen zeigen, welchen Vorteil sie aus der Sportart für ihr Leben mitnehmen können.
Was sind konkrete Massnahmen?
Wir bieten den Clubs verschiedene Möglichkeiten, wie sie die Mädchen aufnehmen und ihnen ein gutes Umfeld bieten können. An grösseren Anlässen können interessierte Mädchen sich dem Tennis annähern und ausprobieren, wie es sich anfühlt. Die Clubs erhalten zudem eine Anleitung, wie sie selbst solche Events durchführen können, und bekommen weitere Unterstützung in Form von Mitgliederbeiträgen für Mädchen.
Und dann habt ihr als Verband noch einen Kurzfilm gedreht.
Ursprünglich war dieser viel kleiner geplant, sozusagen als Teaser-Spot. Doch gemeinsam mit dem Regisseur und der Filmcrew wurde so viel Herzblut hineingesteckt, dass schliesslich ein Kurzfilm entstand. Dieser ist uns sehr wichtig, erzählt er doch Geschichten von ganz unterschiedlichen Mädchen, die Tennis spielen. Das gleiche Prinzip verfolgen wir übrigens auch auf unserem neuen Tiktok-Kanal, auf dem Kaderspielerinnen Einblicke in ihren Tennisalltag geben. So motivieren die Spielerinnen andere Mädchen fürs Tennis.
Was ist euer Fazit nach einem Jahr?
Wir sind gespannt auf die ersten Zahlen, die Resonanz ist aber bereits sehr positiv. Als Teil der nationalen Jugendkommission tausche ich mich mit Nachwuchsverantwortlichen von anderen Regionen aus. Viele waren vom Projekt begeistert und möchten in ihrer Region prüfen, ein ähnliches Projekt zu lancieren. Für grosse Tennis-Regionen wie Genf, Waadt oder Bern wäre das eine grossartige Sache.
Mit zahlreichen Events können sich Mädchen ein erstes Mal dem Tennis annähern.
Worauf müssen andere Verbände achten, wenn sie ähnliche Projekte umsetzen möchten?
Eine gute Planung und ein Grobkonstrukt schaden nicht. Zudem war für uns wichtig, die Zielgruppen, in unserem Fall junge Tennisspielerinnen, an den Tisch zu bringen und mitentscheiden zu lassen. So durften sie beispielsweise das Farbkonzept mitbestimmen. Und schliesslich bedarf es der notwendigen finanziellen Mittel. Wir haben hier glücklicherweise den Rückhalt vom ZKS, der uns dank der Sportfonds-Gelder auf finanzieller Ebene, aber auch mit Rat und Tat immer zur Seite steht.
Und nun gerne noch in deinen Worten: Warum soll sich ein Mädchen entscheiden, Tennis zu spielen?
Weil Tennis nicht nur Spass macht, sondern man lernt, selbstbewusst und mutig zu sein, mit Druck und Niederlagen umzugehen, Fehler zu akzeptieren und auch in schwierigen Situationen Entscheidungen zu treffen. Zudem ist es zwar ein Einzelsport, man ist aber in einer Gemeinschaft unterwegs, spielt, erlebt und trainiert zusammen.