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Sportkanton Zürich

15. Forum Sportkanton Zürich: Zwischen Ideensuche, Innovationsdruck und eigenen Glaubenssätzen

Die Sportförderung wird zunehmend komplexer, die verschiedenen Player zahlreicher und auch der Sport selbst steht nicht still. Umso schwieriger ist es, eine zukunftsfähige Sportförderung zu planen. Unter dem Motto «Game on – Sport fördern mit Weitblick» beleuchtete das 15. Sportforum diese Thematik. Dabei ging es um das Projekt «Sport- und Bewegungsförderung Schweiz 2040» vom BASPO und Swiss Olympic sowie um die Frage, wie man innovative Ideen finden, umsetzen und weiterentwickeln kann.

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Sie waren die Gäste des diesjährigen Forums: v.l. Urs Hutter, Mario Fehr, Josy Beer, Sandra Felix, Pascal Jenny, Jean-Philippe Hagmann, Moderator Franco Marvulli und Stefan Schötzau. Fotos: Kurt Schorrer

Gleich zu Beginn kam eine Grussbotschaft von oberster politischer Instanz. Bundesrat Martin Pfister wandte sich über den metergrossen Screen per Videoaufzeichnung ans Publikum. Und betonte die Relevanz des Sports: «Sport wird immer wichtiger für die Gesellschaft, sei es zur Förderung von Gesundheit, Bewegung oder Inklusion. Das braucht Platz, Strukturen und Programme und dies müssen wir gemeinsam planen.» Ruth Metzler-Arnold, Präsidentin von Swiss Olympic, appellierte ebenfalls per Video an die Gäste: «Was wir im Sport lernen, tragen wir in die Gesellschaft.» 

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Der Grundtenor war somit gelegt für das 15. Sportforum in «The Hall» in Dübendorf, erneut organisiert vom Sportamt Kanton Zürich und dem ZKS. Weitblick, Innovation, Ideen, Weiterentwicklung: Es sind nur einige Schlüsselwörter, die im Verlaufe des Abends regelmässig fielen. Unter dem Motto «Game on – Sport fördern mit Weitblick» stellten Sportamtschef Stefan Schötzau und ZKS-Geschäftsführerin Josy Beer die Grundsatzfrage: Wie sieht eine zukunftsfähige Sportförderung aus und welchen Weg dahin gehen wir?

Zwischen Zugänglichkeit und fehlendem Raum

Ein Paradebeispiel dafür, wie die Zukunft der Sportförderung gestaltet und geplant werden kann, zeigt derzeit das Projekt «Sport- und Bewegungsförderung Schweiz 2040». Das Bundesamt für Sport (BASPO) und Swiss Olympic spannen hierfür zusammen mit dem Ziel, die Leitlinien zur Entwicklung von Sport und Bewegung mit dem Zielhorizont 2040 festzulegen. Ein wichtiges Projekt, wie BASPO-Direktorin Sandra Felix und Pascal Jenny, Vizepräsident von Swiss Olympic, im Doppelinterview unterstrichen. «Die Sportförderung verändert sich immer wieder. Man muss sie darum kritisch hinterfragen, und das liegt in unserer Verantwortung. Mit dem Projekt wollen wir dies gemeinsam auf Augenhöhe angehen», erklärte Felix.

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Bundesrat Martin Pfister begrüsste das Publikum per Videobotschaft.

Die Themen des Projekts sind dabei die üblichen Verdächtigen des Vereins- und Breitensports, darunter der Mangel an Leiterinnen und Leitern, die fehlende Infrastruktur oder die Zugänglichkeit zum Sport. Dabei sei es wichtig, Vorbilder zu haben. «Norwegen beispielsweise leistet einzigartige Arbeit im Sport. Ein Mädchen kann dort heute Unihockey und morgen Volleyball spielen und übermorgen Langlauf machen, ganz ohne Mitgliedschaften», erklärt Jenny. 

Bewegung und Zugänglichkeit im Sport seien für Kinder essenziell. Es brauche dafür aber Auslöser wie beispielsweise Grossevents oder Erfolge im Spitzensport, sagt Jenny. «Wir sehen es gerade anhand der Frauenfussball-EM, die Aushängeschilder hervorbrachte. Es gibt nun Wartelisten für Mädchen in einigen Fussballvereinen.»

Auf die Frage, ob es denn im Sport momentan genug für alle hat, waren sich Felix und Jenny einig, dass die effiziente Nutzung der Infrastruktur eine Herausforderung ist. «Überall braucht es mehr Rasen, mehr Wasser, mehr Eis. Und vor allem im städtischen Raum ist es nicht einfach, neue Infrastruktur zu erstellen. Hier braucht es innovative Ideen», sagt Felix. Jenny fügt an: «Eine Möglichkeit wäre es, in neuen Trainingsmethoden zu denken, um dadurch weniger Platz zu nutzen. Bestes Beispiel ist Basketball, wo neuerdings auch drei gegen drei und somit auf kleinerem Raum gespielt werden kann.»

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Sandra Felix und Pascal Jenny gaben einen Einblick in das Projekt «Sport- und Bewegungsförderung Schweiz 2040».

Grossevents als Antrieb

Mit dem Projekt «Sport- und Bewegungsförderung Schweiz 2040» möchte man diese Themen angehen und gemäss Felix eruieren, welche Werte man gemeinsam schafft: «Wenn wir zeigen können, welchen Wert der Sport hat für Organisationen und die Gesellschaft, können weitere Fördermittel bereitgestellt und grössere Anlässe organisiert werden.» Eine konkrete Grossanlass-Strategie über alle Sportarten hinaus wäre auch Jennys Wunsch: «Events wie die Handball-EM oder die anstehende Eishockey-WM zeigen doch, dass der Sport in der Schweiz lebt.»

Auch Mario Fehr betonte in seiner Rede die Wichtigkeit von Grossevents, die ein Antrieb für den Sport sind. «Der Kanton Zürich versucht alles, um Flaggschiffe zu organisieren, die Frauenfussball-EM, die Eishockey-WM oder die Handball-EM.» Sie sind ein Teil der Sportförderung, die im Kanton Zürich gut funktioniert: «Ich habe gelernt, die Leute, die etwas für den Sport machen wollen, einfach machen zu lassen. Dann kommt es gut für den Sport.»

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Zeigten auf, was in der Sportförderung des Kantons Zürich alles getan wird: Josy Beer und Stefan Schötzau.

Kurzum: Die Sportförderung steht auch im Kanton Zürich nicht still. Dies illustrierten Stefan Schötzau und Josy Beer anhand zahlreicher Gegenstände, welche die Angebote vom Sportamt und ZKS symbolisierten: ein Fussball für das Zusammenspiel zwischen dem Sportamt und dem ZKS; ein Pokal für den Förderpreis «zündwürfel»; ein Poster zum Zürcher Sportfest; ein T-Shirt zum 1418Coach; eine Trinkflasche zum Sportzentrum Kerenzerberg; oder ein Megafon für die sportpolitische Interessensvertretung des ZKS im Zürcher Kantonsrat. 

Die beste Idee ist nicht immer das beste Ergebnis

Ideen und Innovation: Es sind die beiden Wörter, die immer wieder genannt werden, wenn man neue Wege gehen will. Nur wie findet man die richtigen Ideen? Und wann ist man innovativ? Jean-Phillippe Hagmann, Autor, Dozent und Denkpartner für radikale Innovation, gab hierzu einige Impulse. Denn zu sehr beschränken sich die Menschen auf eine Idee, die sie dann aber nicht mehr weiterentwickeln.

«Für viele soll die Idee immer das Ergebnis werden. Darum wählt man früh die beste Idee und diese darf man nicht mehr verändern», erklärt Hagmann. Das sei jedoch falsch. «Eine Idee kann sich verändern, wenn man es zulässt, und mutiert so zu einem Ergebnis, das anders herauskommt als gedacht.» 

«Wir fokussieren uns nur auf diese eine Antwort, das Best-Practice-Beispiel. Dabei hat man vielleicht auch zehn Antworten auf dieselbe Frage und somit zehn Ideen, darunter ein paar riskante. Und hier ist der Mut zum Risiko, etwas auszuprobieren, grösser.»

Jean-Philippe Hagmann, Autor, Dozent und Denkpartner für radikale Innovation

Hagmann sieht dabei in der Idee eine Antwort auf eine Frage. Nur: Eine Frage hat meist verschiedene Antworten, nicht nur die eine. «Wir fokussieren uns nur auf diese eine Antwort, das Best-Practice-Beispiel. Dabei hat man vielleicht auch zehn Antworten auf dieselbe Frage und somit zehn Ideen, darunter ein paar riskante. Und hier ist der Mut zum Risiko, etwas auszuprobieren, grösser.» So lerne man, was funktioniert und was nicht, und werde daraus schlauer.

Weg von den eigenen Glaubenssätzen

Hagmann ging auch auf konkrete Beispiele ein. So berichtete ZKS-Präsident Urs Hutter über die Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern in seinem Verband und die Schwierigkeit, neue Ideen und Impulse in etablierten Strukturen einzubringen. Hagmann sieht darin ein typisches Muster von Glaubenssätzen, die man, einst verinnerlicht, nicht mehr verändern will. Dabei müsse man auch mal «Out of the Box» denken:  «Vorstandssitzungen finden immer am Abend statt. Aber müssen sie das?» Kurzum: Nicht von Grundannahmen ausgehen, sondern auch mal riskant fragen und denken.

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Jean-Phillippe Hagmann lieferte einige Impulse zu innovativem Denken.

In einem zweiten Fallbeispiel ging es um die Einführung eines Tarifsystems zur Nutzung von Sportanlagen in der Gemeinde Stäfa. Gesucht ist dort eine faire einheitliche Gebührenordnung. Für Hagmann eine hochkomplexe Geschichte mit vielen Stakeholdern und  Glaubenssätzen, die es zu hinterfragen gebe. «Bedeutet denn einheitlich auch fair? Müssen renommiertere, grössere Teams bevorzugt werden? Muss es wirklich etwas kosten? Soll es nicht für Jugendliche und Kinder gratis sein?» Mit solchen Fragen habe man einen Blumenstrauss an Ideen. Wichtig dabei seien drei Schritte, um sich auch von den eigenen Glaubenssätzen zu lösen:

  • Eigene Behauptung sich bewusst machen: Wir glauben das.
  • Wette formulieren: Wie sicher bin ich, dass diese Behauptung wirklich stimmt?
  • Konter-These bilden: Was, wenn das Gegenteil oder eine Gegenthese wahr wäre? Daraus kann dann eine Frage konstruiert werden.
     

So ging das Sportforum mit zahlreichen Denkanstössen zu Ende. Das Fazit: Ein Weitblick in die Zukunft lohnt sich definitiv. Und es ist nicht falsch, zwischendurch neue Wege zu gehen und riskante Ideen und Experimente zu wagen.

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Sorgten für beste Unterhaltung: das Improvisationstheater anundpfirsich.

Handout zum Referat von Jean-Philippe Hagmann (PDF)

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